Wahrheit und Wirklichkeit

Max Delbrück, Biophysiker und Nobelpreisträger für Medizin (1969), nähert sich den beiden Begriffen Wahrheit und Wirklichkeit in seinem Werk “Wahrheit und Wirklichkeit - über die Evolution des Erkennens” (1986) folgendermaßen:

Wahrheit bezieht sich auf Wissen, Wirklichkeit bezieht sich auf die Objekte des Wissens. Wir befassen uns also mit Erkenntnistheorie, mit der Theorie des Wissens. …
Wir beginnen unsere erkenntnistheoretische Untersuchung vom Standpunkt des naiven Realisten aus und betrachten unser Problem von Wahrheit und Wirklichkeit im Lichte der Evolution. Dabei stellen wir drei naive Fragen:

1. Wie können wir eine Theorie des Universums ohne Leben - und daher ohne Geist - entwerfen und dann erwarten, daß sich Leben und Geist irgendwie aus diesem unbelebten und unbeseelten Anfang heraus entfalten?
2. Wie können wir die Evolution der Organismen ersinnen, bei der der Geist streng als adaptive Antwort auf den Selektionsdruck konzipiert ist, der solche Exemplare bevorzugt, die sich mit dem Leben in der Höhle zurechtfinden, und dann erwarten, daß dieser Geist in der Lage ist, die tiefgründigsten Einsichten in die Mathematik, die Kosmologie, die Materie, in die allgemeine Organisation des Lebendigen und den Geist selbst hervorbringen?
3. In der Tat, ist es überhaupt sinnvoll, den Standpunkt einzunehmen, daß die Fähigkeit, die Wahrheit zu erkennen, aus toter Materie erstanden ist?

Den Versuch, Antworten auf diese Fragen zu geben, unternimmt er in seinem oben genannten Buch und ich werde diese hier in kleinen Beiträgen zeigen und kommentieren.

Bis bald also!